WASSER IN DEN AUGEN – Galerie Paul Scherzer 2024

»Wasser in den Augen«

Wie verändert sich die Sicht auf die Welt mit »Wasser in den Augen«? Grenzen und Konturen verschwimmen, schaffen weiche Übergänge und leise Unschärfen, Farben laufen ineinander, klare Bilder zerschmelzen zu amorphen Strukturen. Die Auflösung der Formen im verwässerten Blick: Franz Rentsch gelingt es, die optische Wahrnehmung einer emotionalen Erregung – Rührung, Freude, Wut oder Trauer – oder eines mechanischen Reizes – Wind, Schärfe oder ein Sandkorn – malerisch zu reproduzieren. Das Wesen seiner Arbeit und die eigentliche Intension liegen jedoch in der künstlerischen Dokumentation und Reflexion des eigenen Schaffens, wie die Ausstellung »Wasser in den Augen« zeigt.

Reproduktion eines Gefühls

Im Rahmen der Serie »Memory« (2019 – 2024) entstehen jährlich sechs Bildpaare im Format 120 x 90 cm, bestehend aus jeweils einem Initialstück und einem Pendant. Dabei handelt es sich nicht etwa um Kopien, sondern um künstlerische Erinnerungen. Hatte das Malen des ersten Bildes den Künstler in eine ganz bestimmte Gefühlslage versetzt, so versucht er durch die erneute Bearbeitung desselben Stoffes, eben jene Stimmung zu reproduzieren und sie noch einmal zu durchleben. 

Der spielerischen Assoziation mit ihrem Titel »Memory« wird die Serie erst durch ihre Präsentation gerecht, die einem eigenen Konzept folgt: Mehrere der Dyaden werden zu gleichen Abständen, aber ungeordnet an der Ausstellungswand arrangiert. Die monumentale Installation lädt schließlich dazu ein, die ungleichen Bildpaare anhand ihrer Ähnlichkeit zu identifizieren – und verlängert dadurch ganz subtil die Dauer und Intensität der Bildbetrachtung. 

Die Serie ist flexibel kombinierbar. In zehnteiliger Ausführung bildet sie das Zentrum der Ausstellung »Wasser in den Augen«. Und auch in Rentschs Œuvre nimmt sie eine zentrale Stellung ein, indem sie seine Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk und seine künstlerische Entwicklung fortlaufend dokumentiert.

Diese Thematik greift der Künstler auch in einer weiteren Installation auf: Ein Rahmen mit 36 Kleinformaten schwebt wie ein Bild-Segel mitten im Raum über dem Publikum und gibt die Sicht auf Vorder- und Rückseite gleichermaßen frei. Es handelt sich um Materialstudien und Ideenskizzen für Rentschs Malerei der vergangenen fünf Jahre, darunter auch Vorarbeiten zu »Memory«. Analog zu der Serie versteht sich die Installation als Chronik des eigenen Werdegangs.

Text: Katharina Lorenz, www.textbildwerk.de


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